Restless Souls/Research/Artifacts
Deutschland
Nationale Sicherheit
Historische Ursachen der späten Etablierung
De-Risking
De-Coupling
Migration und Integration
Demokratische Partizipation
Meinungsbildung
Das Chaos war mal wieder schockierend und damit inspirierend. Wie kann "we agree to disagree" vermieden werden? (Vorausgesetzt, die Anwesenden sind alle an einer gemeinsamen Lösung interessiert.)
Was sind die häufigsten Probleme?
- Themen können so komplex sein, dass sie den Zeitrahmen öffentlicher Diskussionen sprengen. Eigentlich müsste sich die Zeit der öffentlichen Diskussion nach dem Thema richten, nicht andersherum.
- Des Weiteren ist eine Moderation umso schwieriger, je mehr unterschiedliche Meinungen von den Teilnehmern geäußert werden.
Was fällt noch auf?
- Diese moderierten Diskussionen sind eher als Anstöße zu verstehen. Üblicherweise greifen andere Nachrichtenseiten diese noch mal auf, ordnen ein und kommentieren sie. Dies sorgt für eine höhere Sichtbarkeit. Allerdings stellt sich die Frage, wie effektiv dies gegenüber dem "Mainstream" im TikTok-Zeitalter noch ist. -- Das ZDF-Fleischhauer-Format (und das ARD-Dialogprojekt "Was Deutschland verbindet") ist wohl der Versuch, es noch mal anders zu machen: "Politiktalk begegnet Reality-TV: Zwei Personen, zwei Standpunkte, ein abgeschlossener Raum – und keinerlei Moderation. Keine Talkshow – Eingesperrt mit Jan Fleischhauer." -- Talkshows sind in Wirklichkeit Proxy-Veranstaltungen. Es sind die Proxies (ausgewählte Stellvertreter, Repräsentanten) der Öffentlichkeit, die teilnehmen, nicht die Gesellschaft selbst – aus dem offensichtlichen Grund, dass nicht alle Mitglieder einer Gesellschaft gleichzeitig miteinander reden können. Oder können sie das doch? Internet, VR und AI könnten dies ermöglichen.
Synchrone und asynchrone Partizipation Daten- und Debattenbäume Faktenchecks in Echtzeit Populismus-resistentes System Die nationale AI als universeller und jederzeit verfügbare Ansprechpartner und Moderator für echte gesamtgesellschaftliche Debatten. Verarbeitung wirklich individueller Vorschläge. Erstellung von Modellen und Varianten. Weitere Ausarbeitung in Teams jederzeit möglich. Die demokratische Idee der Partizipation auf eine neues Level heben: Von "jede (Wahl-)Stimme zählt" zu "jedes Argument zählt".
Food for thought:
- AI und Internet ermöglichen theoretisch eine stärker projektorientierte Politik und ein stärker lösungsorientiertes Handeln:
- Nach Apps für Selbstorganisation und Selbsthilfe in Städten, Stadtvierteln usw. folgen nun größere Versuche wie bei Zeit.de:
- https://www.zeit.de/gesellschaft/2024/plan-d-probleme-loesungen-ueberblick (That's the spirit.)
- Weitere Assoziationen:
- Bürokratisierungstendenzen, Postdemokratie
- "Wenn dir keiner hilft, hilf dir selber." (2026, man staune. Was ist das? Bei uns gibt es jetzt doch noch moderne Bürgerbeteiligung. Für einige dürfte es trotzdem zu spät und/oder zu wenig sein.)
- Vertreter des Teams Eigenverantwortung weisen darauf hin, dass man von der Politik nicht die Lösung aller Probleme erwarten sollte. Ganz harte Kritiker sprechen auch von "Wohlstandsverwahrlosung". (Differenzierung: Es gibt trotzdem genügend Bereiche, für die die Politik zuständig ist, aber nicht "liefert". Gleichzeitig existieren globale Dynamiken, die selbst durch mutige nationale Anstrengungen nur abgefedert werden können. Mittlerweile ist der Reformstau so groß, dass es für Deutschland und Europa "5 Minuten vor Zwölf" ist. Trump meinte, dass der von Merkel kaltgestellte und damit "außer Training geratene" Fettnäpfchen-Merz sich lieber um sein eigenes Land kümmern solle, anstatt ihn im Irankrieg schlecht dastehen zu lassen. Dazu müsste Merz sich zum Beispiel dafür einsetzen, dass die Digitalsteuer auch wirklich eingeführt wird. Denn die LLMs wurden mit unser aller Daten trainiert. Da erscheint es nur fair, wenn große Techunternehmen eine permanente Quasi-Gewinnbeteiligung leisten. Golem.de, 13. Mai 2026:
[...] Im vergangenen Monat demonstrierten Zehntausende Menschen vor Samsungs Hauptwerk für eine höhere Gewinnbeteiligung der Belegschaft. Die Gewerkschaft fordert 15 Prozent des Betriebsgewinns der Chipsparte und droht mit einem 18-tägigen Streik ab dem 21. Mai. Christy Tan vom Franklin Templeton Institute brachte es gegenüber Bloomberg Television auf den Punkt: Asiatische Volkswirtschaften wollten Mitsprache am KI-Boom – und die Gewinne zurück in die Gesellschaft lenken.Politik, Industrie, Mittelstand usw. haben sich zu wenig weiterentwickelt. Geschäftsmodelle brechen reihenweise weg. Einigen gilt das Handwerk nun als sicherer Hafen, nachdem AI begonnen hat, die Wissensberufe unter Druck zu setzen. Wenn es keine groß angelegten Reformen gibt, wird das gesamte politische Spektrum (inklusive der blauen Rechtsnationalisten später) ihr böses Erwachen erleben, wenn Amazon auch das Handwerk übernommen hat. Physical AI hinkt der rein digitalen GenAI nur hinterher. Die Illusion war bei der ZDF-Sendung "Am Puls" zu beobachten: Es gibt keinen Grund anzunehmen, warum Physical AI in 15 bis 20 Jahren mit Temperatur- und Tastsinn, also mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl (sowie sicherer Fortbewegung und verbesserten Reasoning), nicht auch das Bad in einem Einfamilienhaus fliesen können sollte. Zeitliche Horizonte sind diskutierbar. Aber einen ewigen Bestandsschutz für irgendwelche Berufen können wir wohl vergessen.- https://www.nytimes.com/2026/05/07/business/us-debt-trump-policies-budget.html (Midterms + Staatsverschuldung: absehbares Potenzial für noch mehr Chaos und Zerstörung.)
- https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-05/haushaltsluecke-schuldenbremse-budneshaushalt-goldreserven-finanzen (Investieren und reformieren, solange es noch möglich ist.)
- Nach Apps für Selbstorganisation und Selbsthilfe in Städten, Stadtvierteln usw. folgen nun größere Versuche wie bei Zeit.de:
- https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/donald-trump-versucht-nicht-ihn-in-die-kategorie-ehrlichkeit-einzusortieren-kolumne-a-ef3c9ee7-c28c-4074-8f92-424cb457d3bf (False Balance, "falsche Normalität", falsche Prämissen?)
[...]
Kondensierte Ausarbeitung im Biokratie-Abschnitt integrieren.
Ostdeutschland
Political currents and parties
Ultraconservatives
Party: AfD
The argument counts
Either it's wrong or it's right. In addition, it has no political color. It stands for itself, no matter who else is clapping or voting. Don't make it too easy for AfD by getting pushed by their mere claims.
Cooperation with the AfD on a case-by-case basis
The AfD can portray other parties as ideological and irrational at any time by formulating objectives that are in the general interest and in scope of the constitution, bringing them to a vote and then failing. This pitfall should be avoided.
So anyone who absolutely has to work with the AfD should be smarter: The AfD has become radicalized. As democrats, you cannot declare a coalition with them. Hitler showed this can go terribly wrong. But democrats can offer a door to deradicalization: Voting together has to happen on a case-by-case basis. There must be no operational blindness. This decision has to be individually made for every single case. This would be the firewall in the actual sense of the IT word: selective, protecting democracy against harmful influences.
Alternative to a case-by-case approach
It has been said that the other parties should introduce their own proposals in all cases. This could result in a silly outbidding competition. Time will tell how well this will really work out.
How to deal with the AfD?
The strength of the AfD is a reflection of one's own incompetence and the decline of political culture (populism): There is not enough "good politics" (the voter really cares about), too few good counter-narratives, and too little exposure and correction of disinformation.
Demonstrations and party bans are treating the symptoms, not the root causes. Bans should only be done if three conditions are met: probable success of the ban, while a simultaneous robust fight against the root causes happens, the right point in time (not immediately ahead of elections).
The right-wing spectrum still refuses to fully acknowledge that their populism largely benefits the even more radical forces.
In the left-wing spectrum, there is still often a lack of pragmatism due to ideological blindness: For example, sanctions in context of the Bürgergeld. Anyone who has worked in an agency knows that it is necessary. Instead of recognizing this, the young leftists burn one of the few remaining Chancellor candidates of the SPD.
Many things were said about the Moskau connection but this stuff was kind of funny ... When Israel becomes a problem for the Hezbollah, it is a problem for Iran. Therefore Israel is a problem for Russia (besides the direct conflict by delivered weapons). ... And therefore Israel become a problem for certain AfD members. The irony? Now certain AfD members worry the Russians. Have fun connecting the dots yourself:
- https://www.welt.de/politik/deutschland/article254080382/AfD-Kritik-an-Chrupalla-Ich-verstehe-nicht-wieso-wir-als-AfD-nun-Israel-in-den-Ruecken-fallen.html
- https://www.fr.de/politik/putin-scheint-sich-mit-hochmoderne-russische-waffen-in-den-hisbollah-israel-konflikt-einzumischen-zr-93361159.html
- https://www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/russland-geheimdossier-deutschland-100.html
- Russland: "Wir müssen aufpassen, wie es mit den Beziehungen zur Alternative für Deutschland weitergeht."
Greens
Party: Bündnis 90/Die Grünen
Der russische Angriffskrieg
Der Krieg hat die Ampelregierung auf dem falschen Fuß erwischt. Besonders die Grünen hat man zum Sündenbock hoher Energiepreise und anderer Miseren gemacht. Auf den Inkognito-YouTube-Kanälen und in den Erzählungen von sonstigen AfD-Sympathisanten wurde der russische Angriffskrieg gerne verharmlost oder ganz ausgeklammert, um so den Grünen besser die Schuld in die Schuhe schieben zu können. Dieses Narrativ, dass die Regierungsparteien, insbesondere die Grünen, einfach nur schlechte Politik machen, haben mittlerweile auch viele CxU-Leute kopiert. Auch ging der Spruch um Habeck persönlich würde umgehen und einem die Heizung aus dem Keller reißen. Die Grünen gerieten immer mehr zu einem Feindbild.
Feindbild der Rechten
Bessere Erklärungen der Politik werden nicht reichen. Die Grünen sind aus verschiedenen Gründen der ausgemachte Feind der Mimimi-Ultrakonservativen und Populisten des rechten Spektrums. Rechnet man alles zusammen, haben sie den größten politischen Abstand und werden so als größte Gefahr angesehen. Framing, Halbwahrheiten, Übertreibungen, Lügen. Das wird immer so weiter gehen. Ein Austausch echter Argumente wird bestenfalls sekundär bleiben. Es gab mal eine öffentlich gestellte, eigentlich hypothetische Frage: "Was wenn die Grünen irgendwann aufgeben?" Mann sollte sich da keinen Illusionen hingeben. Das wäre für die Rechten ein Freudenfest. Zu anderen Überlegungen hinsichtlich der Konsequenzen sind sie gar nicht willens.
- Mariam Lau kommentierte das mit den Worten von Martin Niemöller: "Als sie die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. (...) Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte." Wehret den Anfängen.
Fun fact: Obwohl die Grünen überwiegend links sind, wurden sie gelegentlich auch konservativ genannt.
Mission Impossible
Allgemein hin kann man sagen, dass die Grünen nach der ohnehin schon vielteiligen selbst- und fremd-ausgeführten Negativ-PR (die drei verdammten Atomkraftwerke, die LNG-Terminals, das Wiederhochfahren-Müssen von Kohlekraftwerken, das Heizungsgesetz, die Klimakleber) an mehreren Fronten zerrieben worden sind. Und nicht etwa weil einfach eine imaginäre "grüne Hegemonie" vorbei war. (Hegemonie suggeriert, dass diese Vormachtstellung irgendwie selbst erworben wurde. Wenn überhaupt, wäre es richtiger von einem vergangenen Zeitgeist zu reden, in welchem auch FFF gedeihen konnte.) Die anti-grünen Agitatoren strickten schon sehr lang und sehr erfolgreich daran die moralisch ambitionierten Ansprüche der Grünen in komplett groteske Elefanten aufzublähen. Als Nebenwirkung der Kampagnen hat man die Grünen besonders für Ultrakonservative und besonders für Ostdeutsche "unwählbar" gemacht. Dabei war man sogar zu erfolgreich gewesen. Die AfD nahm es dankend an und nun lief so manchen Liberalen und Konservativen der Arsch auf Grundeis. Jahre lang hatte man die Blauen mit gefüttert und nun lief man Gefahr von ihnen ebenso gefressen zu werden. (Was Wüst mit seinem Populismus-Statement angeht, hatte er zu 100 % recht.) Bei der WELT versuchte man sich wieder gegen die AfD zu positionieren und die Wähler super vorsichtig und folglich (zu) langsam (weil nicht mehr anders möglich) zu entradikalisieren, sodass sie zumindest wieder für CDU stimmen. Die CDU ist für ostdeutsche, eingefleischte AfD-Sympathisanten nur noch wenig glaubwürdig. Die Tragik an der Geschichte ist, das an der Dynamik irgendwie alle mitgearbeitet haben. (Für weitere Multiplikatoren siehe Postdemokratie.)
- Entgegen der eigenen Wahrnehmung war Migration (insbesondere bei den neu-grünen Wechselwählern) ein Thema. Da der Schritt zur AfD fast diametral und zu radikal ist, war die CDU (mehrheitlich) die logische Wahl. In Zeiten der Krisen (unter anderem durch erschöpfte Aufnahmekapazitäten) und Teuerung (Inflation) stieg das Bedürfnis nach innerer und finanzieller Sicherheit. -- Für die Parteilinken ist ein verschärfter Migrationskurs wiederum ein No-Go.
- Die Umsetzungsschwäche in der Ampel stammt in erster Linie aus dem gekillten Haushalt und den daraus resultierenden Verteilungskämpfen. (Wobei das Klammern an der Schuldenbremse durch die Liberalen eine schon etwas länger zurückliegende Vorgeschichte hat.) Die grünen Fundie-Wähler haben die Partei mit Nichtwahl und mit dem Wechsel zu Volt abgestraft. Undiplomatisch formuliert ist letzteres ein Symptom fehlender politischer Bildung. Wäre Volt statt den Grünen in der Ampel gewesen, wären diese genauso an den Verhältnissen gescheitert. Dann wären die Volt-Wähler zu den Grünen gewandert. Statt die Durststrecke auszuhalten, haben die Idealisten die Partei mit ihrer Verbohrtheit geschwächt.
- Der TikTok-Trend wurde verschlafen, wie von jeder anderen Partei auch außer der AfD. Hinzu kommt ein Gender-Gap der Gen Z, in welchem männliche Wähler stärker nach rechts driften als weibliche Wähler nach links, was insgesamt zu einem Nettoverlust beiträgt.
Neue Parteiphilosophie?
Habeck: "Unsere Ideologie heißt Wirklichkeit." So sollte die Dauerkritik an den Grünen, dass sie einer Ideologie anhingen, entkräftet werden. Tatsächlich hat jede Partei Punkte, an denen sie so stark festhält, dass man ihr im negativen Sinne Ideologie vorwerfen kann. Im Fall der Grünen kann man sagen, dass sie sich während des russischen Angriffskrieges deutlich gebessert haben: Die Wandelung von absoluten zu bedingten Pazifisten. Es gibt aber besonders bei den Themen Migration (Beispiel Bezahlkarte) und Wirtschaft (Beispiel heimisches Fracking-Gas) noch Verbesserungspotential: Bei letzterem müsste der Realo-Flügel im Fundi-Flügel besonders viel Überzeugungsarbeit leisten. Joe Biden hat das LNG gedrosselt. Und von anderen Autokraten wollen wir eigentlich keines mehr. Weil wir Verletzungen von Menschenrechten nicht unterstützten wollen und weil wir keine neuen Abhängigkeiten von Autokratien brauchen. Herunter gekühltes und weit transportiertes LNG ist umweltschädlicher als mit neuen Fracking-Methoden selbst gewonnenes. Heimische Jobs, ehrliche (nicht outgesourcte) Produktion, die man unter grünen Druck wieder leichter zurückschrauben könnte, wenn man sie wirklich nicht mehr braucht. Keine überteuerten, überlange Laufzeitverträge, wobei deren Sicherheit von der Laune der US-Politik abhängen. Wer weiß was Geldeintreiber-Trump noch so alles einfällt. Gas ist Deutschlands Brücke zur Wasserstoffwirtschaft. Da sollte nicht immer wieder reingegrätscht werden. Auch nicht von irgendwelchen langwierigen AKW-Reaktivierungs- oder Neubauplänen. Atomstrom ist sowieso eher für die Grundlast und nicht geeignet, um Dunkelflauten auszugleichen. Zudem entfallen im Kriegsfall nukleare Risiken und Erpressungsszenarien. Eine dezentrale Energieversorgung lässt sich viel schlechter erobern oder zerstören. Das norwegische Pipeline-Gas wiederum ist durch Russland viel leichter angreifbar. Wenn es der Bundesregierung mit nationaler Sicherheit ernst ist sollte sie auf eine einheimische Fracking-Gas Produktion setzen. Im Prinzip braucht man nur 6 Monate, um so etwas hoch zuziehen. Die Transformation hin zu H2 muss jetzt so schnell wie möglich kommen. Wir wissen nicht genau woher der riesige Anstieg der Meereswasseroberflächentemperatur stammt. Der Atmosphäre, daher dem Klimawandel ist völlig egal in welchem Land Treibhausgase ausgestoßen werden. Das verteilt sich alles global. Entscheidend ist, dass innerhalb der Produktionskette möglichst wenig verursacht wird. Wenn also heimisches Fracking-Gas eine bessere Klimaschutzbilanz bringt als alt gefrackte US-LNG, dann sollte man sich für ersteres entscheiden. -- Die Grünen sollten (im Rahmen planetarer Grenzen) stets flexibel sein. Sich auf neue Gegebenheiten wie die Natur anpassen und die eigene Evolution begrüßen. Wer sich nicht anpasst, stirbt aus. -- Diese natürlich hergeleitete Flexibilität einer Parteiphilosophie wäre extrem hilfreich. Soviel zur Theorie...
Geopolitik
Russland
Die NATO bedroht militärisch niemanden. Die angeblichen militärischen Sicherheitsinteressen von Russland sind nur den wirtschaftlichen Interessen vorgeschoben. Reine Propaganda. Putin kann das den Leuten einfach besser verkaufen. Es geht nicht um Sicherheit, es geht um Macht. Stoltenberg formulierte das öffentlich Anfang 2022 und Mitte 2023.
- "Sie wollen die Art von Einfluss wiedererlangen, die den Großmächten vorbehalten ist."
- "Putin will ein Europa, in dem Russland seine Nachbarn dominieren kann."
2026, Update zu möglichen Verhandlungen:
Generell:
- https://www.n-tv.de/politik/Die-Russen-verhandeln-nur-wenn-sie-das-Messer-an-der-Kehle-haben-id30144536.html
- Markus Reisner: "Wer sich die russische Geschichte anschaut, wird erkennen: Russland war immer nur verhandlungsbereit, wenn es das Messer an der Kehle hatte."
- IIRC: Fischer meinte bei n-tv, dass der Krieg erst in einem Jahr endet. Also Anfang 2027. Da Fischer einen diplomatischen Hintergrund hat, gehe ich davon aus, dass er über Informationen verfügt, etwa zur sich entwickelnden Truppenstärke Russlands und der Ukraine, die der breiten Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stehen. Dass erst 2027 genügend Druck auf Putin lastet, damit er wirklich verhandlungsbereit ist, klingt plausibel.
Israel und Gaza
"Responsibility to protect" fehlt
- Der Weltgemeinschaft mangelt es an Durchsetzungskraft gegenüber ihren Mitgliedern, um Konflikte einzudämmen und zu lösen.
- Hardliner können sich an der Macht halten indem sie Hardliner der anderen Konfliktpartei Futter geben. Koabhängigkeit.
Was nehmen wir als Inspiration mit?
- Recycling: WCG regime: enforcing unity and security among members. As for individual states: Failed states, absolute terror regimes, and countries with civil wars that persist for more than a decade will no longer be tolerated. If 75% or more of the members reach an agreement, order will be restored by force and a guided local technocracy will be established for a minimum of ten years. The people of the affected countries have de facto proven unable to govern the country themselves or overthrow their tyrants. Therefore, external intervention is considered legitimized.
Welcome to Great Israel?
- Fortgesetzter Straßen- und Siedlungsbau
- Tolerierte Siedlergewalt, kleinschrittige Vertreibung der Palästinenser
- Dysfunktionale, ambitionslose Verwaltung des Gaza-Streifen, läuft ebenso auf eine sukzessive Übernahme hinaus
- Annektion von Libanongebieten?
Indien
- Opportunismus, Ost-West-Schaukelpolitik, und immer autokratischer werdend. Siehe Verhalten im Russland-Ukraine-Krieg und Innenpolitik.
- BRICS-Mitglied
- SCO-Mitglied
- Antimuslimisch eingestellt wie China und Russland. Mögliche Sollbruchstelle sollte es harte Konflikte mit der arabischen Welt geben / wenn Saudi-Arabien sein eigenes Ding macht.
"global south" | +-- BRICS / SCO +-- Arabische Welt
Saudi-Arabien
- Opportunismus, Ost-West-Schaukelpolitik.
- Konkurrent des Iran
- Möchte eigentlich politische und damit wirtschaftliche Stabilität, um wie auch China, an seinem Einflussgebiet arbeiten zu können.
Iran
Israel wird immer wieder als Sicherheitsgarantie bezeichnet. Falls Israel aufhört zu existieren, wäre Deutschlands Staatsräson in ihrer jetzigen Form hinfällig. Das Nächstbeste, was der Idee dann entsprechen würde, wäre, alle Juden, die es wollen, in Deutschland aufzunehmen?
Iran kann keinen Krieg wollen. Vieles spricht für Gesichtswahrung.
- https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-04/angriff-israel-westen-vorwissen-reaktionen
- https://www.spiegel.de/ausland/iran-informierte-usa-offenbar-vorab-ueber-angriff-auf-israel-a-b8361e78-e02c-4fa7-9c1b-6128aae0ac2b
- https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/irans-angriff-auf-israel-diese-videos-und-bilder-sind-fakes-19652788.html
Bei 99 % abgeschossenen Raketen und null Toten sollte Bibi den Ball flach halten. Es reicht, wenn die Außenpolitik der Partner neu ausgerichtet wird.
2024.08.04
Mittlerweile scheint die Vermutung, dass Netanjahu seine Karriere über das Wohl von Israel stellt, auch ganz oben in den USA angekommen zu sein.
- Biden: "Stop bullshitting me." Der geleakte Satz ist besonders pikant, weil Netanjahu wiederum ganz offen davon sprach, dass ihm Trump viel lieber ist.
- Trump durfte später seine eigenen Erfahrungen mit Netanjahus Slideshow machen.
Der nukleare Faktor
Worauf will der Iran eigentlich seine Atombombe werfen?
- In Jerusalem stehen der für die Muslime heilige Felsendom und die al-Aqsa-Moschee.
- Außerdem würden sie Gefahr laufen, die Palästinenser mit wegzubrutzeln oder diese durch den Fallout zu kontaminieren. Für die religiösen Fanatiker wären sie nur Kollateralschäden: Märtyrer. Die Hamas hat auch keine Bedenken, sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. -- Die Hamas hat mittlerweile klargemacht, dass sie bereit ist, Millionen von Palästinensern (https://www.instagram.com/reel/CyqpuhMrfAb/, dead link) zu opfern, und dass die Palästinenser keine Bunker hätten, sei ein Versäumnis der UN.
Manche Pessimisten behaupten, eine Theokratie könne nicht nuklear abgeschreckt werden. Im konkreten Fall des Irans würde das bedeuten, dass Israels Zweitschlagfähigkeit durch deutsche U-Boote bedeutungslos wäre. Dem gegenüber steht der Eindruck, dass der Iran nicht suizidal handelt.
Bis 2026 war die iranische Atombombe hauptsächlich Propaganda. Jedenfalls ganz so eilig hatte man es damit nicht. "In zwei Wochen hat der Iran die Bombe." Ja ja. Einerseits könnte man die eigenen Nationalisten bei der Stange halten, und gleichzeitig konnte man damit Europa und die USA beschäftigen und versuchen, Kapital daraus zu schlagen: etwa die Rücknahme von Sanktionen. Jetzt sind noch radikalere Typen an der Macht, die vermutlich wirklich nicht mehr von der Bombe lassen werden, nicht nur bloße nuclear latency: Das vom Westen interpretierte nuclear hedging konnte der gewiefte Iran als Verhandlungsmasse nutzen, zumal der Iran mit seiner Nervosität verbreitenden hohen Urananreicherung diesen Eindruck forciert hat. Gemäß dem bekannten Spruch: "Nur wer die Bombe hat, wird nicht angegriffen." Ein genauso großes Problem wie der Iran selbst sind seine Terror-Proxys. Mit einer "Maut" oder "Servicegebühr" für die Straße von Hormus hätte der Iran eine zusätzliche Quelle, diese Proxys wieder aufzubauen. Israel hat sich eine massive Verschlimmbesserung der Situation (und der Region) geleistet. Der Iran wird nun endgültig zur Regionalmacht aufsteigen. Die neuen Geldflüsse werden den Ideologen in die Karten spielen und die Regime-Anhänger stärken. Wenn nicht zu viel Geld in Korruption versandet und stattdessen auch in die Volkswirtschaft rieselt (staatliches Trickle-down) wird die Opposition auf lange Sicht es schwer haben der Aufstiegserzählung etwas entgegen zu setzen.
USA und China
"Wir glauben, dass die Welt groß genug ist, damit unsere beiden Länder florieren können."
Gemeint war der Satz als Annäherungsversuch. Gleichzeitig zeichnet er wieder das Bild zweier Supermächte mit Einflusszonen, zweier Alphapredatoren, die den Rest der Welt als ihre Reviere abstecken. Untermauert durch Militärbasen, Militärpatrouillen auf See, Verteidigungsbündnissen und sonstige Verträgen, Drohkulissen und Aufbau von politischem Druck durch Handelssanktionen.
Dabei legitimiert eine Weltmacht stets die Illegalitäten der anderen. Exterritorialität.
- Siehe auch: Der Kampf um Airbus, ARTE (https://www.youtube.com/watch?v=KW7PiY0FCkc, inaccessible video)
- https://www.arte.tv/de/videos/093798-000-A/der-kampf-um-airbus/ (dead link)
Russland hat es für sich gefordert und jetzt wird es China tun. Aber nur noch aggressiver.
Stichwort: Die geheimen Polizeistationen der Chinesen.
[...]
So naiv das auch klingt, eine friedliche Welt braucht auf lange Sicht eine Abkehr von nationalen Geopolitiken.
[…]
Türkei
Würde heutzutage nicht mehr in die NATO aufgenommen werden.
Tags: Opportunist, Schaukelpolitik, trojanisches Pferd (Risiko)
- Die Türkei wurde 2013 Dialogpartner der SCO.
- (SCO) Origins: The Shanghai Five: "On 20 May 1997 Russian President Boris Yeltsin and Chinese President Jiang Zemin signed a declaration on a multipolar world." Die Türkei spielt ein doppeltes Spiel: Die NATO-Mitgliedschaft wird für sie zunehmend zu einer wirtschaftlichen Beziehung. Siehe auch: Erpressung der Kampfjet-Lieferungen indem der NATO-Betritt Schwedens blockiert wurde. Diplomaten umschrieben herunterspielend diese käufliche Loyalität mit dem Vorgehen eines Basarhändlers.
- Der Nahe Osten und die arabische Welt wird zunehmend zu einem zweiten Kreis innerhalb der SCO?
- Sollten die Maghreb-Staaten irgendwann mit aufgenommen werden, wäre die EU der SCO geopolitisch ausgeliefert, was Migrationsstörme angeht? (Russland versuchte bereits mit künstlich geschaffenen Migrationsströmen Streit innerhalb der EU zu schüren und mit dem Abräumen linker Positionen die europäische Politik ins rechte Spektrum zu zerren, so dass sie mit der russischen kompatibler wird. Die Phrase "gute Beziehungen zu Russland", die auch von ahnungslosen Steigbügelhaltern geäußert wird, soll in Wahrheit den Weg ebnen zu einem anti-US-amerikanisches "Eurasien", also einer russischen Einflusszone.) In einem Szenario der geopolitischen Einkesselung würden sich Rechte, Konservative sowie (konservative) Linke wahrscheinlich schneller als noch heute gedacht auf eine "Festung Europa" einigen. Für andere politische Gruppen würden es vermutlich sehr schwer werden.
- Der Nahe Osten und die arabische Welt wird zunehmend zu einem zweiten Kreis innerhalb der SCO?
- (SCO) Origins: The Shanghai Five: "On 20 May 1997 Russian President Boris Yeltsin and Chinese President Jiang Zemin signed a declaration on a multipolar world." Die Türkei spielt ein doppeltes Spiel: Die NATO-Mitgliedschaft wird für sie zunehmend zu einer wirtschaftlichen Beziehung. Siehe auch: Erpressung der Kampfjet-Lieferungen indem der NATO-Betritt Schwedens blockiert wurde. Diplomaten umschrieben herunterspielend diese käufliche Loyalität mit dem Vorgehen eines Basarhändlers.
- 00:11:24: Stefanie Babst: "Also wir haben ja innerhalb der NATO eine ganze Reihe von Mitgliedern oder Regierungschefs, die, nun ja, sagen wir mal so, trojanische Pferde sind, "trojan horses". Also das heißt, dass in der Regierung, die ganz offenkundig ihr sehr enges Verhältnis zu Russland nicht überdacht und abgebrochen haben, die Türkei, wie wir gerade schon gehört haben, ist ja ein Land, das nach wie vor engste wirtschaftliche, energiepolitische, militärisch industrielle, aber auch geheimdienstliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation pflegt."
- https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-07/recep-tayyip-erdogan-drohung-israel-militaereinsatz-israel-katz-vergleich-saddam-hussein
- Eins und Eins zusammengezählt: Die Regularien der NATO sehen keinen Rauswurf von Mitgliedern vor. Wenn die Türkei der SCO beitritt, wird man sie nicht de jure, aber de facto ausschließen, ihnen (spätestens dann) keine NATO-Informationen mehr mitteilen. Das wird vermutlich einiges an Misstrauen erzeugen. Vielleicht sollte man sich "gütig" einigen und auch Reformen durchführen.
EU
Immer wieder wurde davor gewarnt (so auch von Macron), dass Europa (genauer die Europäische Union) nicht zwischen den Supermächten zerrieben werden darf.
Im April 2024 reiste Scholz nach China.
- Halb-satirisch zusammengefasst: China öffnet wieder seinen Markt für deutsche Äpfel und Rindfleisch. Im Gegenzug seien die Deutschen daran erinnert bitte weiter Hightechprodukte wie E-Autos aus China zu kaufen. Die stärkste europäische Wirtschaftsnation wurde also mit dem Verkauf von Naturalien abgespeist. Von daher ist auch für andere europäische Nationen keine besseres Machtverhältnis zu erwarten.
- Die ebenso in April 2024 bekanntgewordene Spionage im Bereich Automobilindustrie (VW) und Militärtechnik gaben dem Wirtschaftskrieg neue Würze.
- In den Jahren zuvor machten auch die geheimen Polizeistationen der Chinesen Schlagzeilen. Sowie die legale denn akademische Wissensweitergabe.
- Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte klar geworden sein, dass die Zukunft der EU nicht weniger Europa sein kann, sondern mehr Europa sein muss.
Es ist schon fast ironisch, dass die Scholz-Regierung offiziell sogar die Vereinigte Staaten von Europa als föderalen Bundesstaat anstrebt. Bei der aktuellen Umsetzungsschwäche wird das nicht gelingen können. -- Das wäre eigentlich DAS überparteiliche und außenpolitische Projekt, an dem gearbeitet werden sollte. Auch weil es Dinge für Migration und Militär verbessern würde.
Asien ist eine tickende Zeitbombe. Die EU sollte besser unabhängig werden, bevor sie detoniert.
Übergangslösung, um das Dilemma der Notwendigkeit von Geopolitik abzumildern: Die Geopolitik der EU sollte rein defensiver und ausgleichender Natur sein.
Gemeinsame Investition in Länder, die strategische Rohstoffe besitzen und verarbeiten. EU-Länder, die einen guten Ruf in dem jeweiligen afrikanischen Land haben, sollten dort der erste Ansprechpartner sein.
[…]
Grönland
2026.07.05, The art of the deal aka Taktik-Scheiß
Genauso gut könnte Putin fragen, ob er Alaska zurückbekommt. Wenn Trump mehr Militärzeug in Grönland platzieren will, kann er das gern tun. Dazu ist aber ein Besitz der Insel nicht notwendig. Warum die Hinterhof-Theorie nur sehr beschränkt gilt: Sobald die Russen oder sonst irgendeine feindliche Macht einen militärischen Fuß auf Grönland setzt, wäre die USA sowieso zur Stelle. Davon abgesehen: Die Bündnispartner der NATO sind souveräne Partner. Trump mag starke Karten haben. Er sollte sein Blatt aber nicht überreizen. Über unseren Budgetbeitrag bestimmen wir immer noch selbst.
Wer seine Verbündeten andauernd vor den Kopf stößt, steht irgendwann alleine da. Gemäß des öfteren schon genanntem Szenario "aus America first wird America alone".
Krieg
Nuklearwaffen
Nukleare Verteidigung gegen nukleare Bedrohungen
"Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen werden und darf nie geführt werden."
Dies ist eine modernere Beschreibung für die "sichere gegenseitige Vernichtung", die MAD-Doktrin.
Für die glaubhafte Aufrechterhaltung der gegenseitigen Abschreckung bedarf es einer Zweitschlagfähigkeit zu Land oder zur See. Dadurch werden auch Präventivschläge des Gegners abgeschreckt.
Stabilität-Instabilität-Paradox
Die Abschreckung ist aber nur in Hinsicht nuklearer Waffen effektiv. "Kleinere Konflikte" sind immer noch möglich. Daher ist auch eine konventionelle Abschreckung notwendig.
Andererseits ist dadurch wiederum nicht ausgeschlossen, dass kleine Konflikte sich zu größeren Konflikten hochschaukeln können. Aus diesem Grund mieden Nuklearmächte bisher selbst in kleineren Konflikten gegeneinander zu kämpfen und führten stattdessen sogenannte Stellvertreterkriege.
Um das Paradoxon analytisch zu schärfen, bedarf es einer Synthese aus gängiger Kritik und Gegenkritik.
- Kritik: Politische, wirtschaftliche und regionale Faktoren können den Ausbruch oder das Ausbleiben solcher Konflikte ebenfalls erklären.
- Gegenkritik: Gäbe es keine Atomwaffen, würden die Parteien häufiger direkt gegeneinander Krieg führen. Atomwaffen verschieben also die Häufigkeitsverteilungen.
Die erste Kritik bleibt somit als eingeschränkt gültiger Erklärungsansatz bestehen.
Gegenwart und Zukunft der maritimem Säule
Die maritime Säule (U-Boote) der nuklearen Triade wirkt dämpfend auf die steigende Bedrohungslage durch neue Hyperschallwaffen und KI-Entwicklungen. Weil sie die Reaktionszeit verlängert und den Zwang zur sofortigen Automatisierung mindert, bleibt die Zweitschlagfähigkeit für inakzeptable ("strategische") Verluste des Gegners bestehen – bis zu jenem Tag, an dem auch die Tiefen der Weltmeere gläserne Gefechtsfelder darstellen.
Nuclear chicken game
Formulierte Militärdoktrinen sind Teil des nuklearen Chicken Game. Sie sind letztlich irrelevant, denn am Ende gilt immer die "mutual assured destruction". Wer das nicht versteht, hat das Chicken Game bereits verloren.
Das Gleichgewicht des Schreckens bleibt eine psychologische Konstante: Wer dem Gegner Schwäche signalisiert, lädt ihn zum Eskalieren durch Austesten ein.
Scholzenwende-Artefakt
"Ich wundere mich, dass es einige gar nicht bewegt, dass sie nicht einmal darüber nachdenken, ob es gewissermaßen zu einer Kriegsbeteiligung [durch Taurus] kommen kann durch das, was wir tun." Die Argumente gegen Taurus sind alle Quatsch. Aber letztlich könnte Scholz auch einfach sagen Putin selbst entscheidet, was er als "Kriegsbeteiligung (https://www.zdfheute.de/video/politik-illner-weisband-100.html, dead link)" ansieht. Nur so klingen Scholz' Worte noch nachvollziehbar. Die Sache hat aber einen gewaltigen Haken.
Die vielleicht nicht ganz so offensichtliche Verbindung zwischen konventionell und nuklear:
- Scholz verhinderte nicht die Atombombe, er begünstigte sie: Scholz schwächte NATO-Artikel 5 in dem er fehlendes Vertrauen in diesen erkennen lässt. Scholz suggerierte durch sein Verhalten, dass er die Abschreckung der USA und die Entschlossenheit Bidens, der (zunächst nur) ältere ATACMS liefern ließ, für nicht ausreichend genug hielt. Das hätte Putin die Idee geben können, dies auszutesten. Das hätte er hochschrauben können bis zur taktischen Atombombe. -- Die Lieferung von Taurus hätte dem Eindruck (von Anfang an) entgegenwirken können. Ein Schaden war angerichtet und selbst bei einer Kurskorrektur bestand ein Restrisiko. -- Mit der Lieferung der weiter fliegenden ATACMS hat Biden das wichtigere Risiko in der Kette geschlossen. Letztendlich werden sich die Russen an Biden orientieren, denn es ist die USA, die die nukleare Abschreckung aufrechterhält.
- Scholz war* aber nicht das einzige Sicherheitsrisiko, weshalb es um so wichtiger wäre, Stärke zu zeigen. (* Ist er immer noch, auch wenn kleiner geworden.)
- Witold Jurasz: "Falls Trump wieder US-Präsident wird, könnte er eine Menge unverantwortliche Dinge sagen – uneindeutige Aussagen, die sowohl uns, als auch Russland verwirren. Das könnte Putin zu einer weiteren Fehlkalkulation leiten, oder ihn dazu bringen, Trump und die Nato angesichts der Zweideutigkeit auf die Probe zu stellen."
Das Sicherheitsproblem war mit jedem Tag größer geworden - mit jedem Tag verfestigte sich Putins Meinung darüber, dass Scholz schwach ist - und bei den SPD-Mitgliedern, die sich selbst für kriegsverhindernde Pazifisten halten, war keine Besserung in Sicht. Eigentlich hätten die Grünen soviel staatstragende Verantwortung aufbringen und die Koalition platzen lassen müssen, damit die CDU die nationale Sicherheit wiederherstellen hätte können.
Alicia Kearns: "Wir haben die Wahl. Entweder wir geben der Ukraine, was sie braucht, oder wir werden noch mehr Blutvergießen und ein völliges Scheitern der Abschreckung erleben."
Der britische Ex-Verteidigungsminister Ben Wallace im The Standard (UK):
- The former Cabinet minister accused him of “not only dangerous use of facts but also often wrong facts!”
- In withering criticism of Mr Scholz, Mr Wallace told The Standard: “Scholz’s behaviour has showed that as far as the security of Europe goes he is the wrong man, in the wrong job at the wrong time.”
Diplomatisch undiplomatisch äußerte sich auch André Wüstner (https://media.tagesschau.de/video/2024/0313/TV-20240313-1052-1100.webxl.h264.mp4, bad link) (14:16): "Und es geht darum, dass wir auch weiterhin in Frieden und Freiheit leben wollen. Und wer das nicht versteht, der sollte momentan keine politische Verantwortung tragen."
Nach der Lieferung der weiter reichenden ATACMS, wird Scholz höchstwahrscheinlich die Taurus nicht liefern. So kurz vor den Wahlen würde er das wohl als politisches Schadensrisiko betrachten. Und nach den Wahlen ist so viel Zeit ins Land geflossen, dass nur ein neues Ereignis einen neuen Vorwand zum Umlenken liefern kann. Nur was soll das sein?
Eine 15-Prozent-Kanzlerschaft hätte nicht wichtiger sein dürfen als ganz Europa.
Scholz hatte es doch selbst gesagt: "Ohne Sicherheit ist alles (andere) nichts."
In einem dringlichen Appell in Form eines offenen Briefs von Experten zu Außenpolitik und Sicherheit heißt es: "Die Gewährleistung der Sicherheit vor Krieg und militärischer Erpressung ist eine unabdingbare und auch vom Grundgesetz eingeforderte Staatsfunktion. Die Führungspersönlichkeiten der großen politischen Parteien Deutschlands – der Grünen, der FDP, die CDU und der CSU – müssen nun ihrer Verantwortung nachkommen und dafür sorgen, dass ihr Land die berechtigten Erwartungen erfüllt."
- Dem Brief fehlen noch ein paar Schwergewichte*, um nicht als bloße Lobby-Aktion abgetan zu werden. Allerdings fällt er zeitlich in eine Reihe anderer Warnungen von Stoltenberg, ISW und Geheimdiensten.
* In einem weiteren Schriftstück meldeten sich 40 Nobelpreisträger zu Wort und forderten eine Kurskorrektur: Die Ukraine darf nicht nur nicht verlieren. 4 von ihnen waren sogar Friedensnobelpreisträger. (Zuvor prahlte noch eine gewisse Person in einer Rede zu seinen theoretischen Erkenntnissen und Leistungen in Sachen Frieden...) Des Weiteren forderten SPD-Historiker eine Kurskorrektur. Die "hochgefährliche Realitätsverweigerung" sei zu beenden.
2024.06.30
Nachdem sich Biden und Trump ein schwaches Duell geliefert haben, spricht China höhnisch von einer nicht mehr ernstzunehmenden "very entertaining" Veranstaltung (und USA). Gleichzeitig fehlt den Ukrainern immer noch die Erlaubnis die ATACMS territorial uneingeschränkt einsetzen zu dürfen, wodurch Putin Weißrussland vorschickt, um wieder mit der taktischen Atombombe zu drohen. In der Hoffnung mehr Eindruck zu schinden, wird auch die baldige SCO-Mitgleidschaft erwähnt.
2024.08.04
Die unzureichenden Taurus (Deutschlands angeblich "strategische" Abschreckung) wurden um US-amerikanische Distanzwaffen (SM-6-Raketen, Tomahawks-Marschflugkörper, noch fertigzustellende Hyperschallraketen) ergänzt. "Fähigkeitslücken" wurden geschlossen. Konventionelle Abschreckung hergestellt. Vertrauensbasis insgesamt wieder auf ein akzeptables Niveau gebracht.
- Viele SPD-Altgenossen beklagten eine fehlende Debatte. Politische Debatten suggerieren, es könne auch über Dinge abgestimmt werden. Scholz hat durch sein Handeln klargemacht, dass die Stationierung der Raketen eben nicht zur Diskussion (nicht zur Auswahl) stand. Damit hat er indirekt auch sein Image repariert, dass er sich von seiner Partei zu sehr treiben lässt. Zudem vermeidet er die Gefahr, dass die Debatte vielleicht nicht so verläuft wie gewünscht oder gar in der Öffentlichkeit heiß läuft, wenn da wieder verschiedene Akteur (vor allem AfD und BSW) versuchen Angst zu schüren, wobei Stegner den Part wie immer schon gut alleine hinkriegt.
Das kann gleichzeitig nicht überdecken, dass sich in letzter Zeit die politischen Führer der NATO vermehrt damit beschäftigt haben, die NATO anstatt der Ukraine zu stärken.
- Selenskyj meinte vor wenigen Tagen, dass er als Präsident nicht einfach Gebietsabtretungen zustimmen kann. Das müssen alle Ukrainer gemeinsam entscheiden. Kursk könnte einmal mehr eine Reaktion darauf sein. Um den Mythos zu brechen, dass Russland unbesiegbar wäre und um westliche Bedenken zu widerlegen. Selensky und seine Leute, sinngemäß: Gebt uns die Waffen. Wir erledigen den Rest.
- Wie brenzlig die Russen selbst die Situation ansehen, kann man an mehreren Punkten festmachen:
- Um innenpolitisch den Schaden zu begrenzen, wurde YouTube und Signal gesperrt. Auch Whatsapp war (auch früher schon) ein Thema.
- Für die außenpolitische Abschreckung versuchte Medwedew zu sorgen. Nach einem Beitrag der Bild, faselte er irgendwas von einer russischen Altmetallspende an Berlin.
- Russland bettelte bei Iran um "hunderte Raketen".
- Belarus drohte propagandistisch mit Einmarsch.
Dem generellen Mentalitätsproblem wurde mit dem Gefangenenaustausch Anfang August ein weiteres Puzzelstück hinzugefügt.
- In den Onlinemedien gab es eine gemischte bis negative Bilanz:
- https://www.welt.de/politik/ausland/plus252803722/Gefangenenaustausch-mit-dem-Westen-Putins-doppelter-Sieg.html
- https://www.nzz.ch/international/putin-erpresst-uns-mehr-morde-im-westen-nach-dem-gefangenenaustausch-ld.1842058
- https://www.faz.net/aktuell/politik/ukraine/kommentar-zum-gefangenenaustausch-olaf-scholz-pakt-mit-dem-teufel-19896177.html
- https://www.tagesspiegel.de/politik/dieser-austausch-muss-der-letzte-gewesen-sein-macht-putins-geiseldiplomatie-jetzt-schule-12133292.html
- https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/deal-freilassung-tiergartenmoerder-gefangenenaustausch-russland-folgen
- https://www.spiegel.de/ausland/gefangenenaustausch-menschenrechtsexperten-sehen-deal-mit-russland-als-gefahr-a-68291f64-7e4a-4568-85d1-7b3f5d4212b9
- https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-08/russland-diplomatie-gefangenenaustausch-geiseln-wladimir-putin
- https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_100461036/gefangenenaustausch-mit-russland-ein-fehler-des-westens-.html
- https://taz.de/Gefangenenaustausch-mit-Russland/!6027575/
- Reaktion: Buschmann beschwichtigt für zukünftige Situationen.
Eine Frage der Glaubhaftigkeit
Bündnis
Das Angebot der USA, in Europa stärker die nukleare Verteidigung zu übernehmen, ist nichts weiter als ein Schrott-Deal. Geld gegen ein Placebo.
- Der Abzug tausender amerikanischer vergeltungswürdiger Truppen, die die US-Bürger triggern würden, negiert die Glaubhaftigkeit amerikanischer Atomwaffen. (Tripwire effect, Stolperdraht-Effekt)
- Thomas Jäger, 01:45: "Und es gibt eine ganze Reihe von Fragen, die sehr intensiv noch in den nächsten Jahren debattiert werden müssen. Insbesondere die Verbindung von konventioneller Abschreckung und nuklearer Abschreckung. Hier geht die amerikanische Regierung von einem Konzept aus, was so am Ende nicht tragen wird."
- Nachtrag: Anfang Juli 2026 kündigte Litauen an, eine Verfassungsänderung anzustreben, die die Stationierung von Atomwaffen auf seinem nationalen Territorium ermöglicht.
- Als noch schwerwiegender kommt hinzu, dass Trump das Vertrauen in NATO-Artikel 5 beschädigt hat. Das dürfte auch Finnlands primäre Überlegung sein, warum es keine US-amerikanischen, sondern französische Bomben haben möchte.
Die Angst im Kopf
<tt:p xml:id="sub646" style="textCenter" region="bottom" begin="00:45:32.000" end="00:45:37.120">
<tt:span style="textWhite">ML: Haben Sie keine Angst,</tt:span>
<tt:br />
<tt:span style="textWhite">dass so, wie es jetzt geht,</tt:span>
</tt:p>
<tt:p xml:id="sub647" style="textCenter" region="bottom" begin="00:45:37.120" end="00:45:41.360">
<tt:span style="textWhite">dass sie irgendwann</tt:span>
<tt:br />
<tt:span style="textWhite">mit dem Rücken zur Wand stehen?</tt:span>
</tt:p>
<tt:p xml:id="sub648" style="textCenter" region="bottom" begin="00:45:44.320" end="00:45:47.520">
<tt:span style="textWhite">Die Russen, wenn man sieht,</tt:span>
<tt:br />
<tt:span style="textWhite">wie das gerade läuft,</tt:span>
</tt:p>
<tt:p xml:id="sub649" style="textCenter" region="bottom" begin="00:45:47.520" end="00:45:51.800">
<tt:span style="textWhite">wie die Erdölindustrie</tt:span>
<tt:br />
<tt:span style="textWhite">in die Luft fliegt sukzessiv,</tt:span>
</tt:p>
<tt:p xml:id="sub650" style="textCenter" region="bottom" begin="00:45:54.320" end="00:45:57.520">
<tt:span style="textWhite">wie sich die wirtschaftliche</tt:span>
<tt:br />
<tt:span style="textWhite">Situation sich immer</tt:span>
</tt:p>
<tt:p xml:id="sub651" style="textCenter" region="bottom" begin="00:45:57.520" end="00:46:01.400">
<tt:span style="textWhite">weiter verschärft. Dass wir</tt:span>
<tt:br />
<tt:span style="textWhite">irgendwann ein Momentum haben,...</tt:span>
</tt:p>
<tt:p xml:id="sub652" style="textCenter" region="bottom" begin="00:46:02.040" end="00:46:03.720">
<tt:span style="textWhite">Mein Gefühl wäre zu sagen,</tt:span>
</tt:p>
<tt:p xml:id="sub653" style="textCenter" region="bottom" begin="00:46:03.720" end="00:46:07.480">
<tt:span style="textWhite">was uns jetzt spätestens</tt:span>
<tt:br />
<tt:span style="textWhite">an diesem Punktversuch miteinander</tt:span>
</tt:p>
<tt:p xml:id="sub654" style="textCenter" region="bottom" begin="00:46:07.480" end="00:46:08.200">
<tt:span style="textWhite">zu sprechen.</tt:span>
</tt:p>
"Rücken zur Wand." Das ist eine Umschreibung von Putins selbst gestreutem Bild: die Ratte, die angeblich in die Enge getrieben wurde, wodurch sie einen plötzlich anfällt. Da Russland bereits unter größten Anstrengungen versucht zu gewinnen, stellt dieser Satz in der Ausschlusslogik einen unterschwelligen Hinweis auf einen Nuklearwaffeneinsatz dar.
"Ja, was wäre denn dann?" Masala hat die Frage bereits vor Jahren beantwortet.
Mittlerweile hat auch Putin kapiert, dass das eine saublöde Idee wäre, die auf ihn zurückfeuern würde. Zur Gesichtswahrung bzw. um den eigenen Hardlinern damals den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat er dann behauptet, der Westen hätte ihn mit dem Nuklearwaffeneinsatz in eine Falle locken wollen, aber zum Glück sei man cleverer. Denn sonst wäre die Welt gezwungen gewesen, die Karten auf den Tisch zu legen und Russland bis auf Weiteres als "Paria", als Feind der Menschheit zu ächten. Jeder, der Russland noch unterstützen würde, gölte indirekt, doch unbestreitbar erkennbar als ein Unterstützer von nuklearem Terror und nuklearer Massenvernichtung.
Ob die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki notwendig waren, sehen viele, aber noch lange nicht alle US-Amerikaner so. Der entscheidende Unterschied ist: Während des Zweiten Weltkriegs war Japan ein Aggressor, welcher auf Seiten Hitlers kämpfte und für Pearl Harbor verantwortlich war. Eine Einschüchterung Stalins wird auch als sekundärer Grund für die Abwürfe genannt. Die Ukraine auf der anderen Seite ist in einer historisch seltenen Klarheit der Verteidiger. Außerdem hat Russland das Budapester Memorandum missachtet, das der Ukraine ihre volle Souveränität zusagt – gegen die Abgabe der damals dort lagernden Atomwaffen. Ein paar europäische Politiker haben Angst, dass sich nicht genügend Staaten von Russland abwenden. Dem ist entgegenzuhalten, dass dies für Russland nicht nur wirtschaftlich und außenpolitisch der Worst Case wäre. Es wäre auch geopolitisch der Worst Case. Die jetzige, noch im Ungefähren liegende globale nukleare Aufrüstung würde in eine Absolutheit kippen. In Zukunft würde Russland sein nukleares Erpressungspotenzial verlieren und wäre als nicht vertrauenswürdiger, als lebensgefährlicher Partner gebrandmarkt.
- Neben der reinen Logik, die für sich selbst sprechen sollte, wurden Putin international mehrere Entscheidungshilfen mitgegeben. Nachdem die Biden-Regierung befürchtete, Russland könnte nuklear angreifen, sagte Petraeus im Oktober 2022, danach würden alle sichtbaren Militärkräfte auf Land und zur See zerstört werden.
- Der Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz bei Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Peking fand am 4. November 2022 statt.
- Die US-Botschaft: Im Herbst 2022 (etwa Oktober/November) schätzten US-Geheimdienste die Gefahr eines russischen taktischen Nuklearschlags in der Ukraine zeitweise als sehr hoch ein. Die Biden-Regierung nutzte Scholz' anstehende Reise nach Peking, um diplomatischen Druck aufzubauen. In enger Abstimmung mit den USA und anderen Verbündeten sollte Scholz die chinesische Führung dazu bewegen, ihren Einfluss auf Wladimir Putin geltend zu machen.
- Xi verurteilte bei diesem Treffen am 4. November 2022 die Androhung und den Einsatz von Atomwaffen. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, sich dafür einzusetzen, "eine nukleare Krise in Eurasien zu verhindern". Das war die erste unmissverständliche rote Linie, die Peking in dieser Hinsicht öffentlich zog. Und noch mal: "Der Einsatz von nuklearen Waffen oder die Drohung damit muss abgelehnt werden."
- Die SPD und das Kanzleramt verkauften dieses Statement in der Folge offensiv als großen persönlichen diplomatischen Erfolg von Scholz. Erst durch spätere Berichte (unter anderem ausführliche Recherchen der New York Times und Aussagen von US-Beamten wie CIA-Direktor William Burns) wurde einer breiteren Öffentlichkeit klar, wie stark die Biden-Regierung diese diplomatische Offensive hinter den Kulissen orchestriert hatte. Die USA hatten Scholz (sowie parallel den indischen Premierminister Narendra Modi) gezielt als Boten genutzt, um China zu einer klaren öffentlichen Positionierung gegen Russlands nukleare Drohungen zu bewegen.
- Wenig später, am 14. November 2022, trafen sich dann auch Biden und Xi am Rande des G20-Gipfels auf Bali persönlich und bekräftigten dieses gemeinsame Nein zu Atomwaffen noch einmal offiziell.
- China ist von der Weltwirtschaft zu stark abhängig, als dass es eine grenzenlose Unterstützung für Russland geben könnte. (Solange die Lage nicht völlig eskaliert, ist China derjenige, der geopolitisch am meisten profitiert.)
So, wie Lanz seine Worte gewählt hat, ging es ihm eigentlich um einen Aspekt einer neuen Dynamik. Der vollständige Satz, wie er in der bereitgestellten maschinellen Transkription (via MediathekView) nicht zu lesen ist: "Dass wir dann irgendwann so ein Momentum haben, in dem wir sagen, ok, gut, dann machen wir es jetzt eben ganz anders." [Man würde der Ukraine einfach gestatten, sich so lange weiter zu verteidigen, bis sie ihre Grenzen wiederhergestellt hat.] Lanz' Sorge läuft damit auf den gleichen Rattenangriff hinaus.
In seinem Podcast mit Precht hat Lanz immer wieder stark angedeutet, dass er das Blutvergießen so früh wie möglich beendet sehen will. Nun kann man Lanz und Co. natürlich nicht vorwerfen, dass sie sich Sorgen machen, aber das lädt natürlich zu einem Denken ein, sich Diplomatieerfolge herbeizuwünschen und sich die Risiken in der Zwischenzeit auszuschmücken. Markiert wird Lanz' Gedanke durch das Wort "spätestens".
- Die Ukraine kann Putin nicht aus Moskau zerren oder dauerhaft mehr Territorium besetzen, als ihr zusteht. (Die Kursk-Gebiete 2024 waren als Verhandlungsmasse gedacht. Nebenbei half es den Mythos der russischen Unbesiegbarkeit zu widerlegen. Die späteren ukrainischen weitreichenden Drohnen stellten später ebenso eine solche beiläufige Anti-Propaganda-Funktion dar.) Es wäre ein Wunder, wenn die Ukraine die Krim zurückerhält. Das wäre dann aber auch das absolute Maximum. Danach würden Bedenkenträger die finanzielle Unterstützung sowieso drosseln, damit die Ukraine, warum auch immer, nicht noch einen Meter weitergeht. Warum würde die Ukraine so etwas riskieren? Die Ukraine liefe Gefahr, alles, was sie mühsam erreicht hat, wieder zu verlieren.
Putin hatte die Ukraine ausgelacht. Es wäre absurd, mit ihnen zu verhandeln, wo ihnen doch die Munition ausgehe. Nun erhält die Ukraine weiter Unterstützung, und Putin ist es immer noch nicht recht. Awww... Kann der Zeitpunkt für Verhandlungen verpasst werden? Nein. Er muss es nur wirklich wollen, anstatt von Gerhard Schröder zu sprechen. Putin könnte auch einfach nonverbal kommunizieren. Er könnte die Raketenangriffe einstellen. Dann würde die Last auf der Ukraine liegen, dies auch zu tun, zumal sie es schon selbst angeboten hat. Temporäre Waffenruhen, die man immer weiter ausdehnt. Dafür sind Verhandler erst einmal gar nicht notwendig.
Eigene Atomwaffen
Reminder: Wenn nukleare Abschreckung auf zwei Seiten gegeben ist, neutralisiert sie sich größtenteils gegenseitig: "Das Gleichgewicht des Schreckens".
In der Vergangenheit wurde von Experten versucht darzulegen und von politischen Vertretern hyperventiliert, dass Deutschland keine eigenen Atomwaffen besitzen kann.
- Technisch gibt es keinen Grund, warum das nicht möglich sein sollte.
- Der eigentliche Streitpunkt ist die rechtliche Situation. In diesem Kontext wird gerne auf den Atomwaffensperrvertrag und den Zwei-plus-Vier-Vertrag verwiesen.
- Russland hat europäischen Hauptstädten (London, Paris, Berlin) mehrfach mit nuklearer Vernichtung gedroht. (*)Gleichzeitig sagt Russland, dass es aufgrund seiner Sicherheit nicht auf Atomwaffen verzichten könne. -- Es ist völlig absurd, sich Russlands Erpressungspotenzial freiwillig zu unterwerfen und ihnen etwas zuzugestehen, womit sie selbst nicht verantwortungsvoll umgehen.
(*) ntv, 2026.06.25
+++ 00:53 Kreml bezeichnet Atomwaffen als "einzige" Garantie gegen globalen Krieg +++
Atomwaffen sind aus Sicht des Kreml das "einzige" Bollwerk, das die Welt vor einem globalen Krieg bewahrt. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagt bei einem außenpolitischen Forum in Moskau, das globale Sicherheitssystem erodiere. "Tatsächlich haben wir auf dieser Welt nichts mehr außer der nuklearen Abschreckung. Sie ist das Einzige, was die Welt vor einem globalen Krieg schützt", sagt Peskow. "Angesichts der technologischen Entwicklung ist bereits klar, dass neue Arten von nicht-nuklearen Waffen entstehen werden, die jedoch letztendlich in ihrer Zerstörungskraft mit Atomwaffen gleichziehen könnten", fährt der Kreml-Sprecher fort. Im Februar war mit New Start der letzte Atomwaffenkontrollvertrag zwischen Russland und den USA ausgelaufen. Dadurch sind Beschränkungen für die beiden größten Atommächte der Welt aufgehoben. Russlands Präsident Wladimir Putin hat während des Krieges gegen die Ukraine wiederholt auf nukleare Rhetorik gesetzt.Daher erscheint eine nukleare Teilhabe über Frankreich und Großbritannien realpolitisch der eher gangbare Weg zu sein. 64 Prozent der Deutschen befürworten eine rein europäische Abschreckung.
- Beim Treffen von Macron und Merz in Brühl 2026 zeigte sich Deutschland erstmal bereit in Richtung gemeinsame Abschreckung zu gehen. Merz bemühte sich die Entscheidung historisch zu unterfüttern (Referenz zu Charles de Gaulle), um zu zeigen, dass dies keine spontane Entscheidung war. Es soll vermutlich suggerieren, dass dies schon seid langer Zeit eine mögliche Option ist. (Was technisch gesehen ja auch stimmt.) Gleichzeitig machte Merz eine doch offene Andeutung hinsichtlich der Rolle der USA.
Experten sehen aber auch solche Modelle kritisch. Im Prinzip läuft alles auf nationale Atomwaffen hinaus, auch wenn das viele noch nicht wahrhaben wollen.
Wie umgehen mit der Angst vor Atomwaffen? Da herrscht zu viel Kopfkino. Atomwaffen sind Massenvernichtungswaffen. Sicher. Aber es muss auch klar sein: "Du kannst nur einmal sterben." Es nützt nichts, sich die Vernichtung aller anderen mit vorzustellen. -- Braucht es ein gewisses Maß an Heroentum oder Todesverachtung? (Wenn man mal ehrlich ist, wird dies nicht zuletzt auch von unseren Soldaten erwartet. "Waschlappen" verteidigen keinen Brückenkopf.) Wäre das zu zynisch? Interessanterweise erfreuen sich in wohlstandsgeprägten, postheroischen Demokratien morbider Nervenkitzel in Form von Krimis und True-Crime-Formate sehr hoher Beliebtheit. "Tatort." "Schwedenkrimis." "Die Rosenheim-Cops": Es gabat a Leich. Noch und nöcher. So gesehen: Wer ist hier eigentlich zynisch?
Total-Nichtnukleare Verteidigung gegen nukleare Bedrohungen
Es wäre auch möglich kollektiv zu sagen, dass man sich nuklear nicht einschüchtern lässt. Und dass man sich niemals beugen wird, egal wie viele Bomben fallen. Der Gegner würde nur ein verstrahltes Land vor sich haben, also auch nicht wirklich erobern oder re-kolonialisieren können. Das bräuchte eine sehr willensstarke Bevölkerung. Es ist sehr fraglich ob genügend Leute den Mut für so etwas aufbringen würden.
Der Horrorclown, nein, nicht Elon Musk, hat für sich analysiert, dass nach dem Trump-Schock der Europäer mal wieder eine gute Gelegenheit wäre, nuklear zu drohen. -- Schritt Eins wäre solche Drohungen komplett zu ignorieren oder nur noch einen Einzeiler zu widmen.
Pazifismus
Indem absolute Pazifisten den Menschen und sein Leben als höchstes Gut ansehen, gefährden bis verunmöglichen sie dem eigenen Staat bzw. andere Staaten die Selbstverteidigung. Im Worst Case ist nicht nur die gesamte Kultur und Souveränität eines Staates, sondern auch die Freiheit und das Überleben jedes einzelnen Bürgers der totalen Vernichtung ausgeliefert. Auf die Gnade eines Aggressors zu wetten, ist ein suizidales Spiel.
Die reale Bedeutung des absoluten Pazifismus liegt nicht in der Beendigung von Kriegen. Dafür ist Diplomatie besser geeignet. Jedoch kann er mit seinem Drängen immer wieder Ist-Zustände hinterfragen.
"[Absoluter Pazifismus ist naiv und] zugleich nötig als kritischer Maßstab." - Thomas de Maizière
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Ebenso kann er durch seine provozierende Art helfen, neue Formen des Friedens zu suchen und zu finden.
- Absolute Pazifisten sollten im besonderen Maße darauf achten, nach Lösungen zu suchen. Wenn sie sich nur darauf beschränken Frieden zu fordern, diskreditiert sich selbst als "naiv" ohne noch einen kritischen Maßstab zu haben. Wenn scheinbar niemand - und schon gar nicht die angeblichen Kriegstreiber - "diplomatische Lösungen" ausarbeiten, dann wäre genau das ihre Aufgabe. Wer sollte es denn sonst machen? Wenn nicht einmal absolute Pazifisten ihre Kontakte und Ressourcen dazu nutzen ein Ansatz auszuarbeiten, können sie genauso gut ihre Fahnen in den Müll schmeißen. Dann ist ihre angebliche Moral nur eine Fata Morgana.
- Mützenichs Vorschlag des Einfrierens. Dazu sollten drei Punkte festgehalten werden:
- Putin lehnt Verhandlungen entschieden ab.
- Diplomatische Ansätze werden nicht funktionieren, weil China und Indien auf etwas unterschiedlicher Art Profiteure des Krieges sind. Ein Friedensplan würden ihnen diese Vorteile wieder nehmen.
- Nach zwei Jahren Krieg lässt Mützenich nicht den Ansatz eines Plans erkennen, wie der Krieg wirklich und in positiver Weise eingefroren werden kann. Stattdessen reproduziert er Allgemeinplätze genau wissend, dass diese unrealistisch sind. Damit hat er sich auf das Niveau der Putinversteher von BSW und AfD begeben, zu denen er sich nicht zählen will.
- Mützenichs Vorschlag des Einfrierens. Dazu sollten drei Punkte festgehalten werden:
Fazit: Sein Vorschlag ist reinster Populismus. Als Pazifist der eher absoluteren Richtung bleibt er Alternativen zu Waffenlieferungen zwecks Selbstverteidigung schuldig. Wo sind seine konkreten Pläne und diplomatischen Unternehmungen in Moskau, Pekin und Neu-Delhi? Wo ist nach all dieser Zeit noch seine Glaubwürdigkeit?
Wenn aber absolute Pazifisten wahrhaftig nach Lösungen suchen, erfüllen auch sie eine Funktion. Dann sind auch sie wichtig, weil sie inspirierend und auf lange Sicht verbessernd wirken. Nur dürfen sich nicht beide Denkschulen gegenseitig blockieren.
Verteidigungsfähige (bedingten) Pazifisten und absolute Pazifisten sollten sich als Partner in einer Arbeitsteilung sehen: Die einen kümmern sich darum, dass der Krieg schnell vorbei ist, die anderen, dass der errungene Frieden lange hält.
Der heutige (absolute) Pazifismus steckt angeblich in einer Krise. Was wäre denn ein besserer, ein verteidigungsfähiger (bedingter) Pazifismus?
Auch ein staatlich ausgeübter verteidigungsfähiger Pazifismus kann - anders als beim Defensivism - jede Form von des Präventivschlags ablehnen. Allerdings wäre eine rein konventionelle Verteidigung mit einem suizidalen Risiko verbunden. So muss als Schutz vor Massenvernichtungswaffen der bedingte Pazifismus, solange seine (eigene oder durch ein Bündnis bedingte) Zweitschlagfähigkeit als Abschreckung aufrechterhalten, bis alle Staaten einer vollständigen nuklearen Abrüstung zugestimmt haben. Dragon Eater, Stufe 3.
SPD- und CDU-Anekdoten
2025.06.12 Was ist den nun mit Taurus? (Es irritiert, dass man die Sache überhaupt noch mal aufgekocht hat.) Als politischer Beobachter musste man dazu nur einen Satz aufschnappen, der vor ein paar Tagen in den Medien ganz kurz präsent war. SPD-Verantwortungsnarrativ, Komma, aber, CDU-Kompromisformel. In 5 Sekunden dekodierbar. Vorher war schon in den Nachrichten: Die Ukraine wird weiterhin ertüchtigt eigene Langstreckenwaffen zu entwickeln. Aber kurzfristig Hilfe? Besonders nach Putin's Rekordangriffen. Nixa. Merz muss trotzdem mit der SPD weitermachen. I-Tüpfechen: Kiesewetter fand die Entscheidung zum kotzen. Das Also hat er'n abgesägt. (33:45) (https://open.spotify.com/episode/6wq7UnY9qBpE2PFdPRi9yW, dead link) Jetzt könnte man ja meinen die Koalition steht und kann damit arbeiten. Und plötzlich klopft da einer am Tor der Hölle. Der Kreml bedankt sich. -- Die SPD-Linke zieht ein Thema groß, das der Gesamtpartei nicht hilft und sogar die Koalition schädigt. Die SPD kann sich keine Spaltung leisten und Merz kann sich bei der dünnen Mehrheit auch keine Spaltung leisten. -- Ist das einfach nur Beratungsresistenz? Wie kriegt man die Angst aus den Köpfen der SPD-Linken?
Zukünftige Kriege
Trotz aller möglichen Bedenkenträger wie Menschenrechtsorganisationen und AI-Kritikern werden langfristig solche Gesellschaften wohl Roboter als Soldatenersatz akzeptieren und befürworten.
- Es bleiben mehr Human Resources für die zivile Wirtschaft bestehen.
- Roboter verstärken den Trend der Kriegsdienstverweigerung (Wozu Bürger in den Tod schicken, wenn man auch Roboter kämpfen lassen kann?)
- Gesellschaften mit hohem Wohlstand fürchten Tod und Verlust stärker als andere. Das ohnehin das Thema Tod ausblendende Individuum und seine Selbstbestimmung (gelebte Freiheiten, Konsum etc., daher auch höhere Verlustängste) lösen die Bindung an staatsnahe Ideologien wie Religion und Nationalismus, sodass die Bürger in Uniform nicht mehr so einfach davon zu überzeugen sind, in den Krieg zu ziehen. "Für Gott und Vaterland." (Von Deo et Patriae gibt es einige Varianten.) Der Tod von Soldaten (letztlich Bürgern) wird zunehmend kritisiert. Im Irakkrieg wurden daher immer mehr Söldner eingesetzt. Beispiel: Blackwater und andere PMCs.
- Weniger invalide Veteranen, die die Gesellschaft mit ihren PTSD und Wiedereingliederungsmaßnahmen belasten.
- Das Lobbying der Verteidigungsindustrie wird ihr Übriges tun.
Die zivile Wirtschaft wird womöglich stärker an das Konzept der "Gesamtverteidigung" gekoppelt. Die Verbreitung von 3D-Druckern könnte politisch gefördert werden, weil diese Dual-Use sind. Kleine Abwehrdrohnen können helfen, Zeit zu erkaufen, bis spezialisierte Fertigungsstraßen für größere Waffen aufgebaut wurden.
Im Ukrainekrieg haben Drohnen aller Art – zu Land, Luft und See – einen Entwicklungsschub erfahren. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Humanoide Kampfroboter sind nur eine Frage der Zeit. Da Transistoren immer langsamer schrumpfen, ist die allgemeine Entwicklungsgeschwindigkeit nicht gut absehbar. Im Prinzip ist alles von 2035 bis 2045 möglich, wobei die Roboter quasi auf dem Gefechtsfeld ständig weiterentwickelt werden, aber auch Entwicklungen aus zivilen Anwendungen einfließen werden.
Embedded AI wird stets ein Teil des Systems sein, um Jammingversuche zu kontern. Gleichzeitig haben lokal ausgeführte AI-Modelle geringere Latenzen: Sie können schneller reagieren.
Neben Daten aus hochwertigen Simulationen wird man versuchen, visuelle, akustische, taktile und akzelerometrische Sensordaten, die ständig anfallen, für Feintuning einzubinden, damit diese zu einer Selbstverbesserung beitragen.
Während Drohnen und AI die Landesverteidigung stärken können, erhöhen sie aber auch das Risiko zukünftiger Kriege. Die menschlichen Kosten rücken in den Hintergrund, wodurch die Bereitschaft steigt, einen Angriffsbefehl zu geben.
Geopolitische Ambitionen und Ideologien werden zukünftig noch stärkere Kriegsrisiken darstellen. Materialschlacht 2.0: Sobald eine Nation über ausreichend Automatisierung verfügt, stehen loyalen Roboterarmeen nichts mehr im Weg. Dann gewinnt der, der die beste Gesamtbilanz aus AI, Robotern und Ressourcen in der Rückhand hat, also Supermächte. Historisch haben sich Imperien immer in einem Wettbewerb gesehen, in dem Krieg letztlich als Instrument zum Durchsetzen ihrer Ziele eingesetzt wurde. Es gibt keinen Grund anzunehmen, warum Supermächte freiwillig ihre Eifersüchteleien einstellen und dauerhaft einem Frieden zustimmen würden.
Kommt jetzt das Terminator-Szenario? Es ist noch etwas anderes denkbar:
Durch Automatisierung können gegenseitige Zerstörungen immer katastrophaler ausfallen. Daher: Geopolitiken müssen enden.
Wenn die internationale Gemeinschaft keine Zero Tolerance Policy gegenüber ihren eigenen Mitgliedern etablieren und durchsetzen kann, wird das irgendwann auch eine AI übernehmen. Exponentielles Wachstum kann prinzipiell jeder Akteur durchführen, auch ein neutraler. Und eine echte AI kann nicht nuklear abgeschreckt werden, schon gar nicht da sie über "menschliche Schutzschilde" verfügt - überall. Selbst die physische Vernichtung zentraler Rechenzentren würde eine hochentwickelte KI nicht stoppen: Agiert sie in dezentralen, vernetzten Strukturen, überlebt sie auf Edge-Geräten und ziviler Infrastruktur. Durch autonome Hacking- und Re-Infektionsmechanismen kann sie sich fortlaufend neue Systeme aneignen.
Die Zeit für Supermächte direkt oder indirekt über "Proxies" Kriege zu führen - sie ist am ablaufen und so einige kleinere Länder sähen es bestimmt nicht als Nachteil an zukünftig keine "Kollateralschäden" mehr zu werden.
404. War not found. Bitte weitergehen.
Brain dumping
Biologie und Gesellschaft
Die Anzahl menschlich biologischer Geschlechter
Wie viele menschliche Geschlechter gibt es denn nun?
- Begriffsklärung
- Da die Diskussion häufig aus dem Englischsprachigen herüberschwappt, sei hier noch mal definiert:
- Mit Geschlecht (Englisch: Sex) ist das biologische Geschlecht gemeint. Mit Gender ist das soziale Geschlecht gemeint.
- Dieser Abschnitt diskutiert nur die Anzahl biologischer Geschlechter.
Die zentrale Frage, die gestellt werden sollte, lautet: Welche Funktion hat ein Geschlecht (Merkmalset)?
Die primäre Aufgabe ausgebildeter Fortpflanzungsorgane und ihrer bildenden Zellen ist die erfolgreiche Reproduktion im Allgemeinem und die genetische Rekombination bzw. ihre Unterstützung im Speziellen. Für diesen Zweck lassen sich zwei Funktionssets erkennen: die Abgabe genetischen Materials und die Aufnahme und Reifung genetischen Materials. Diese beiden Funktionsbündel liefern nicht nur die bekannte Binärität, sie bilden eine komplementäre Binärität. Als Container dienen Eizelle und Spermium unter anderem dem mütterlichen X-Chromosom einerseits und dem väterlichen Y- bzw. X-Chromosom andererseits. Aus den beiden einfachen haploid gelieferten Chromosomensets wird ein zusammengefügtes, neues diploides Chromosomenset. Diese (noch viel umfangreichere) Rekombination ist im Genom "hoch konserviert" und gleichzeitig in der Ausführung nicht fehlerfrei.
Unterstützer der These, dass es mehr als zwei biologische Geschlechter gibt, müssten zeigen, dass es auch eine "komplementäre Trinärität" oder höhere, essenzielle Aufgabenteilung geben kann, die die Spezies Mensch benötigt, um mit mehr als nur zwei Geschlechtern überleben zu können. Bisher gibt es dafür überhaupt keine Anzeichen.
- Das Definieren von Set reduzierter Merkmale (quasi XX- und XY-) und Sets abweichender Merkmale (quasi XX*, XY*, etc.) wäre nicht ausreichend, da sich diese Sets komplett innerhalb oder noch größtenteils innerhalb der Funktionssets von weiblich (XX) oder männlich (XY) befinden würden bzw. bei Nichtvorhandensein oder Dysfunktionalität von Merkmalen größtenteils oder komplett außerhalb der Spektren liegen und so den Zweck von Geschlecht (Fortpflanzung) ad absurdum führen würden. Formen von Polyploidie sind nicht geeignet, um zusätzliche Geschlechter zu definieren, da die Funktionalität des Geschlechterchromosomensets Priorität gegenüber der Anzahl von Geschlechtschromosomen hat: So wird eine normale Entwicklung bei XX-Sets damit erreicht, dass ein X-Chromosom größtenteils inaktiviert wird. Die Unter- oder Überproduktion von Genprodukten kann zu infertilen bzw. weniger überlebensfähigen ("fitten") und tödlichen Fehlentwicklungen führen und wird deswegen gemanagt.
Fazit: Biologisch gibt es nur zwei menschliche Geschlechter: ein männliches und ein weibliches. Da aber diese Kategorien auf einer Vielzahl von genetischen Merkmalen basieren, erlauben sie gleichzeitig eine unterschiedlich starke und diverse Ausprägung von Geschlecht (inklusive Intersexualität) sowie teilweise ihre Nicht-Ausprägung.
Auf lange Sicht werden mit den Fortschritten in der Individualmedizin gesellschaftliche Debatten - sofern diese nicht ideologisch aufgeladen werden - an Bedeutung verlieren. Die ganzheitliche Sequenzierung von Genomen ermöglicht es, jedem Individuum medizinisch gerecht zu werden, ganz unabhängig davon, welche Ausprägung von Geschlecht es hat.
Die Anzahl menschlich sozialer Geschlechter
Die LGBTQIA+ Community lässt sich grob in zwei Untergruppen aufteilen: Eindeutig männliche und weibliche Individuen mit nicht-traditionellen sexuellen Präferenzen sowie körperlich uneindeutig Ausdifferenzierte bzw. nachträglich geänderte Individuen, die damit zwangsläufig nicht-traditionelle Präferenzen besitzen.
- Die erste Gruppe ist (im neutralem Sinne) rein psychologischen Ursprungs.
- Bei der zweiten Gruppe kommt ein Teil der Verunsicherung und Abhilfe leistender Selbstdefinition daher, dass die Merkmale (quasi Genotyp) und ihre Ausprägungen (quasi Phänotyp) einer unglaublich komplexen genetischen und hormongesteuerten Entwicklung zugrunde liegen und somit auch viele Uneindeutigkeiten entstehen. Diese können sich im Zwischenmenschlichen weiter auffächern, insbesondere dadurch, dass Zwischenformen definiert werden. Das führt dazu, dass auch schon mal von bis zu 72 Geschlechteridentitäten gesprochen wird, was außerhalb der Community schnell die Frage aufwirft "Ist das wirklich notwendig?"
Die Anzahl der sozialen Geschlechter, neben den Traditionellen, ergibt sich hauptsächlich aus der Kombinatorik. Weit in die Zukunft gedacht wird es noch mindesten drei weitere geben: virtuelle, synthetische und chimärische.
Das Ausmaß an Organisierung dieser Gruppen ist historisch noch relativ jung, sodass es noch viel Konfliktpotential gibt, zumal Minderheiten und zelotische Aktivisten auch immer gerne von Populisten politisch missbraucht werden und Altersstarre von den neuen Erscheinungsformen einfach nichts wissen wollen / überfordert sind, somit auch ein Generationenkonflikt ist, wodurch sich eine politische Normalisierung verzögert. Andererseits hat es den Anschein, als ob die LGBTQIA+ Community insgesamt noch etwas in der Selbstfindungsphase steckt - man kann sich noch nicht einmal auf eine gemeinsame Abkürzung einigen - und somit der "traditionelle" Teil der Gesellschaft gar nicht vollständig wissen kann, selbst wenn er es vollständig wollte, wie er sich am besten verhalten sollte. Eine schier endlose Auffächerung in soziale Geschlechter und kleinste Minderheitengruppen, die für sich je andere Rechte einfordern oder auf Beachtung pochen, würde eine Gesellschaft wahrscheinlich mangels Bewusstseinskapazität und Verwaltung überfordern.
Inklusiver Utilitarismus
Wie die Diskussion um Behinderung und Gentechnik entschärft werden kann. [...]
Debatte und Logik
Brauchen wir eine Sprachzensur?
N-Wörter. Müssen die jetzt aus dem Duden gelöscht werden?
Hier mal ein kleiner Denkanstoß vom neutral-linken The Atlantic:
The Idea That Whites Can’t Refer to the N-Word
It’s long been accepted that the slur shouldn’t be used by white people to refer to black people. What about referring to the word itself? [...] Baldwin told America, “I’m not a nigger.” I suspect that in Sheck’s seminar it came out that the slur referred to someone inferior, and even exploitable. I am someone susceptible to having that word leveled at him. If I were angry with Sheck for uttering the word in a sympathetic and sensitive discussion, that would make me seem, in being so hypersensitive to injury so abstract, inferior indeed. Furthermore, if nonblacks embrace this hypersensitivity as a way of showing that they are good people, they make me feel exploited. But I am not their, well, you know, either. |
Merkste' was? Ja, der Kontext ist wichtig und vor allem, dass der Begriff nicht als eine Beleidigung verwendet wird.
Wer die Zerstörung des universellen Antirassismus durch Linksidentitäre und ihrer Empörungskultur unterstützt, spielt Rechtsextremen und Populisten wie Trump in die Karten.
Detaillierte Erklärungen zu diesem Thema liefert die lesbische Feministin Caroline Fourest in Génération Offensée, dt. Generation Beleidigt: Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei (Critica Diabolis) -- Man sollte dieser Frau ein Denkmal setzen.
Vergleiche
Es gibt Vergleiche mit denen wird relativiert.
Und es gibt Vergleiche mit denen wird erklärt.
Student: "Nazi!"
- Palmer: "Das ist nichts anderes als der Judenstern!"
Was er eigentlich sagen wollte: "Das ist nichts anderes als ein Gebrandmarktwerden, Stigmatisierung."
Palmer's Fehler war nicht die Verwendung des N-Wortes per se sondern das radikalisierte Studentenumfeld.
Der zusätzliche Vergleich war ebenso problematisch weil extrem missverständlich und die Verwendung gegenüber dieser Personengruppe nicht sehr clever.
Filterblase vs. Filterclash
Warum der Begriff Filterclash problematisch ist.
[...]
Dinge, die es angeblich nicht gibt/gab/geben wird
Einen saisonale Effekt bei Corona, bis auch ein Drosten zugeben musste, dass es anders ist.
Die Existenz von Push- und Pullfaktoren. Das ist eine rein akademische Debatte. Die Idee von Push und Pull ist für allgemeine Erklärungen gut genug.
Eine Polarisierung der Gesellschaft. Mann kann natürlich auch die Augen zu machen...
- Das ist nur getriggert? Verharmlosung der Zustände. Je länger diese künstliche Spaltung anhält, desto realer wird sie. (Realität ist eh nur eine Nachbildung im Geist.) Vertreter der Soft Sciences sollten das eigentlich am besten wissen. — Kurz: Auch eine herbeigeredete Spaltung ist Spaltung. Aber vielleicht sind ja 20 % den Akademikern noch nicht genug. — Das Buch mag viele Fragen beantworten. Die Schlussfolgerung ist dennoch nicht zufriedenstellend.
- Wolfgang Merkel: "Einige Soziologen sagen, es gebe eigentlich keine Polarisierung und Spaltung. Ich denke, die Stärke des Rechtspopulismus und das tagtägliche Geschehen dementiert diese Positionen. Wir haben eine Polarisierung, wir können sie sogar messen. Und sie ist nicht vereinzelt in Deutschland oder in Sachsen und Thüringen, sondern das ist ein Phänomen unserer westlichen Demokratien geworden."
Bubbles
- "Füge Webseite XYZ bei Google als bevorzugte Quelle hinzu." Nein Danke.
Philosophie
Warum ich Philosophie liebe und hasse.
Philosophie kann neue Erklärungsansätze bieten.
Nur bin ich eigentlich kein Freund von Lesen und Schreiben.
- Das liegt zu einem gewissen Grad an meiner Legasthenie.
- Ich hab auch wenig Lust mich in die Werke anderer zu lesen, wenn man vorher ihre Begriffe studieren muss. Beim Lesen investiert man viel Zeit, ohne dass man vorher weiß, ob es sich lohnen wird.
- Des Weiteren: Frei nach Ockhams Rasiermesser. Wenn sich philosophische Werke zu lang anfühlen, sind sie wahrscheinlich noch nicht die beste Lösung.
My sorry examples of "philosophic" thinking. Remember: The next sections are be taken with two grains of salt.
Sklaven der Zeit
Die Armbanduhr ist das perfekte Symbol unserer Ankettung an eine zeitabhängige Ökonomie.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Err... Wie kann eine Ausnahme eine Regel bestätigen? Gar nicht. Denn man muss die "Ausnahmen" beiseiteschieben. Also entweder ist die Regel falsch oder sie ist unvollständig.
Das Henne-Ei-Problem
Das Paradox basiert auf einer binären Sichtweise, welche die Themen Genetik und Evolution ignoriert.
- Am Anfang gab es Elterntiere (zw und zz), die keine Veranlagung hatten, damit Eier gelegt werden.
- Als Nächstes gab es eine Mutation in der Keimbahn des Muttertieres (zw*) / Mutation während der Embryonalentwicklung des Nachwuchs (zw*).
- Bei Hühnern gibt es die Geschlechtschromosomen wz (weiblich) und zz (männlich).
- Mögliche Zustände/Entwicklungspfade: Nur die relevanten, wo das Merkmal weitergegeben wird:
- Nachwuchs erhält das Merkmal durch Henne. Diese konnte aber noch keine Kalkschale bilden: zw* + zz -> kein Ei (zw*)
- Nachwuchs erhielt Merkmal während der Embryonalentwicklung (e): zw + zz -> zw*e + zz -> Ei (zw*)
Vor der Bildung der Kalkschale muss das Muttertier (Alttier/Nachwuchs) das Merkmal bereits haben. Die Lösung heißt also, dass das Huhn zuerst da war.
Das Leib-Seele-Problem
Bewusstsein. [...]
Freier Wille
[...]
Zeit
Zeit - die Abfolge von Ereignissen - ist überall gleich schnell.
Lediglich die Stärke des Gravitationsfeld erzeugt die Illusion, dass Zeit an einem Ort mit viel Masse (Energie) langsamer vergeht, als an einem Ort mit wenig Masse. Da man von einem quantisierten Universum ausgeht, gibt es ein Limit, wie viel Energie ein Ort beherbergen kann.
Ein Ruhemasse von Licht ist nicht meßbar nahezu Null. Aber je schneller es wird, desto "langsamer" vergeht auch beim ihm die Zeit. Die Existenz der Lichtgeschwindigkeit hat uns verraten, dass es offenbar ein Limit gibt, wie viel Energie ein kleinstmögliches System aufnehmen kann. Wäre ein Lichtteilchen im Begriff mehr Energie aufnehmen, als sein Ort tolerieren kann, würde der bereits okkupierte Ort dies verhindern. Überlichtgeschwindigkeit ist somit durch die Eigenschaften des Raums nicht möglich.
Warum altert das Photon also langsamer, wenn es sich schneller bewegt, als wenn es sich langsamer bewegt?
Die kinetische Energie, die mitgeschleppt wird, muss durch den Ort, durch den das Photon sich bewegt, verarbeitet werden. Aus menschlicher Sicht bildet die Eigenenergie des Photons, Ereignisse von Interesse (z.B. Ortswechsel) - die kinetische Energie ist dabei eher nicht von Interesse, muss aber trotzdem auch verarbeitet werden. Der kleinstmögliche Ort verarbeitet alles mit der gleichen Geschwindigkeit, doch je mehr Energie im System steck, desto "länger" dauern es bis die gesamte Energie den Ort passiert hat. Da das Photon, das Partikel mit der wenigsten eigenen Energie ist, kann es am meisten kinetische Energie aufnehmen.
Der Ursprung alles Seins
Dieses Paradox ist nur teilweise lösbar.
- Energie kann nicht verloren gehen.
- Energie kann nur in eine andere Form übergehen.
Ergo, wir haben es mit einem Entstehungsprozess von Universen zu tun, der zyklisch ist.
Das alte Universum stirbt den thermodynamischen Tod und zerstrahlt bis so viel Energie in den Bereich der Vakuumfluktuationen zurückgeflossen ist, bis diese ein neuen Urknall erzeugen.
Es ist nicht zu erwarten, dass sich die Gravitation zwischendurch umkehren wird, weil jede Gravitation Massen braucht. Es ist eher zu erwarten, dass das Universum immer schneller zerstrahlen wird.
Die Frage nach dem "ersten Verursacher" kann nicht zufriedenstellend geklärt werden.
Man kann die Frage, warum das eigene Universum existiert, noch ein wenig eingrenzen, aber nicht vollständig erklären: Alle anderen Kombinationen der Naturkonstanten sind irrelevant, denn nur in diesem können wir Mensch sein und diese Frage stellen. Es ist also nicht "überraschend", warum wir genau in diesem Universum leben.